Dialog – Treffen mit Bischof Heiner Wilmer am 19.2.1019 von 19.00 bis 21.00 Uhr in der St. Clemens-Basilika Hannover

Mit einer Abendandacht begann das 1. Regionaltreffen „Im Dialog mit dem Bischof“ in der vollbesetzten Clemenskirche. Propst M. Tenge begrüßte den Bischof und hieß ihn herzlich

Willkommen. Nach einer kurzen Einführung und erklärenden Worten über den Ablauf des Abends durch zwei Moderatoren sagte der Bischof, dass er bei den Regionaltreffen möglichst viele Menschen kennenlernen will. “Ich bin auch heute hier als ein Zuhörer und möchte auch von Ihnen hören, wie wir heute das Evangelium bezeugen können.“ Im Januar habe er mit Verantwortlichen aus dem Bistum in Bremerhaven eine Klausurtagung durchgeführt. Mit Blick auf die Diözese wollte er auch mit uns Teilnehmenden über die vier Schwerpunkte ins Gespräch kommen.

1. Die Bibel als das Wort Gottes im Zentrum der Kirche
2. Partizipativer Führungsstil in der Kirche
3. Orte der Glaubenserfahrung vermitteln
4. Achtsamkeit im Umgang mit den Opfern von sexualisierter Gewalt (Missbrauch)

Zu 1. Grundlage sollte stets die Bibel, das Wort Gottes sein
(Basics, wie es die Jugendlichen während des Pilgerns zum Bischof sagte.) Für uns Christen ist die Bibel die Quelle unseres Lebens. Dort wollen wir uns verankern. Jesus hatte eine Aura eine Ausstrahlung, die ihn umgab und viele Menschen, Junge und Alte, Kranke und Gesunde, Fremde und Einheimische fühlten sich in seiner Nähe wohl und von Gott angenommen. Jesus wurde als Heiland, als Heilender wahrgenommen. Menschen kamen zu ihm und wollten ihn berühren. Der Bischof sprach von der „Entschlüsselung des Geheimnisses Jesu“. Durch ihn konnten die Menschen die Schönheit in ihrem eigenen Leben wahrnehmen. Nach jeder Begegnung mit Jesus gingen die Menschen gestärkt, erleichtert und froher nach Hause.

Zu 2. Partizipatives Verhalten in der Kirche
Im 21. Jahrhundert ist die Zeit des „top down“ vorbei. Von oben nach unten leiten zu wollen gelingt nicht mehr. Es geht darum, gemeinsam den Weg zu gehen, nicht „face to face“, sondern „side by side“. Im Finden von Entscheidungen sollten möglichst viele Menschen beteiligt werden. Es muss eine Teilhabe von Frauen an den Leitungsfunktionen in der Kirche geben. Männerbündisches Auftreten in der Kirche möchte der Bischof nicht mehr unterstützen. Ein Beispiel: Nach 1200 Jahren im Bistum Hildesheim gibt es erstmalig eine Frau als Bischofs-Referentin.

Zu 3. Orte der Glaubenserfahrung vermitteln
Bischof Heiner ermutigte, Orte der Glaubenserfahrung wahrzunehmen, zu ermöglichen und zu vermitteln. Heutzutage sind die Erfahrungen der Menschen brüchig. Die Sehnsucht nach Geborgenheit und Heiligkeit ist in den Menschen grundgelegt. Wir sollten sie einander mitteilen.

Zu 4. Achtsamkeit angesichts der Opfer von sexualisierter Gewalt in der Kirche
Frau Dr. A. Fischer sprach über ihre Arbeit als unabhängige Ansprechpartnerin im Umgang mit den Missbrauchsopfern.
Danach lud der Bischof zu Murmelgruppen – Gesprächen mit den Nachbarn – in den Bänken der Kirche ein. Anschließend konnten die am Treffen Teilnehmenden Fragen, Statements und Erfahrungen zu den vier Punkten an den Bischof loswerden. Er nahm nach jeweils drei bis vier Personen zu deren Aussagen Stellung. Sein Stil war geprägt von Zuhören und Nachfragen, ob er es richtig verstanden habe, um dann eine Antwort darauf zu geben. Immer wertschätzend und wohlwollend, jedoch klar und authentisch.

Einige Aussagen und Fragen sowie die Antworten des Bischofs fasse ich gekürzt zusammen.
TN: Frage:  Glauben Sie, Herr Bischof an die Kirche als mystischen Leib Christi?

Bischof: Ja, ich glaube daran. In allen christlichen Kirchen finden wir Mystisches (Leib Christi)

TN.: Frage nach Einsatz zur Leitung von bewährten Frauen und Männern (Priesterweihe Verheirateter) viri probati
Bischof: Es wäre ein vorstellbarer Weg.

TN: Was denken Sie über die Zulassung der Frauen zum Priestertum? Mehr Leitungsaufgaben von Frauen?  Wie stehen sie zur Ökumene?    Wir sind eine lebendige Gemeinde. Orte der                                                                 Glaubenserfahrungen gibt es auch in unserer Gemeinde. Z. B. Oasentage, „Treffpunkt Gott“,   Der Wechsel von den Priestern jeden Sonntag verhindert einen Kontakt zur Gemeinde. Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer nimmt ab.
Bischof: Man muss die kath. Kirche auf der ganzen Erde berücksichtigen.  Leitungsaufgaben können von Frauen mehr wahrgenommen werden. Für mich ist die Ökumene kein Problem. In meiner Verwandtschaft leben viele in ökumenischer Partnerschaft. Ich bin mit Anglikaner, Lutheraner befreundet. Ich sehe das Problem mit dem Wechsel der Priester jeden Sonntag. Wir suchen nach neuen Wegen.

TN: Vorschlag nach dem Gottesdienst Gemeindekaffee zur Kontaktpflege oder mit Austausch über Predigt anzubieten.
Bischof bestätigt die guten Möglichkeiten und ermutigt weiterhin Orte des Dialogs und der Gespräche miteinander zu ermöglichen.

TN.: berichtet vom gelungenen Modell z. B.  der Firmvorbereitung (in Springe) Die Gemeinden sollten mehr Austausch pflegen und mehr voneinander lernen. Gute Modelle können das Gemeindeleben bereichern und befruchten. Gutes sollte man weitersagen. Mit einem Gebet, dem Segen und einem Lied endete dieses Dialog-Gespräch.

Mich beeindruckte an diesem Abend besonders der Bischof mit seiner Art des Zuhörens, des Nachfragens, ob er die Intention richtig verstanden habe. Sein wohlwollendes Bestätigen machte Mut. Auch zeigte er eigene Betroffenheit. Sein Führungsstil scheint durch genaues Hinhören, Wahrnehmen und einen dialogischen Gesprächsstil geprägt zu sein. Das Treffen war für mich ein rundum gelungener Abend, der einen Prozess in Gang setzen kann und weiterhin Hoffnung auf eine menschenfreundliche Kirche der Zukunft im Bistum Hildesheim macht.

Lucia Martin