Die „Anwältin der Kinder“ geht in Ruhestand

Man sieht der fröhlichen Frau nicht an, dass sie längst auf der Zielgrade ihres Berufslebens unterwegs ist. Doch wenn die Kita St. Mathilde ihre Pforten für die Sommerferien schließt, verabschiedet sich Monika Vorderwülbecke endgültig in den Ruhestand – nach nicht weniger als 37 Jahren. Am 13. Juni gibt es für die 62-Jährige um 15 Uhr eine Abschiedsfeier mit Freunden und Weggefährten – und damit wird dann auch für die Kita eine Ära zuende gehen.

Am 1. August 1982 war sie als neue Leiterin an den Kindergarten gekommen, mit gerade 25 Jahren. „Damals gab es ja keinen Fachkräftemangel, ich hatte mich eigentlich nur gemeldet, um für Bewerbungsgespräche zu üben“, sagt sie lachend. Und dann bekam sie den Job. Damals lagen die Kinder-WCs noch im Keller, und die Büroarbeit erledigte sie auf einer alten Schreibmaschine nebenbei. Elterngespräche führte man eher zwischen Tür und Angel. Seither ist viel passiert: In Monika Vorderwülbeckes Ära entstand im Jahr 2000 das heutige Kindergartengebäude, zehn Jahre darauf wurde die Krippe angebaut, die Inklusion wurde eingeführt. Eigentlich hat sich alles verändert in St. Mathilde – nur Monika Vorderwülbecke blieb immer dabei.

„Mit viel Herzblut hat sie das Leben in der Kita gestaltet“, sagt Pfarrer Thomas Berkefeld. „Sie hatte immer einen besonderen Blick für das, was Jungen und Mädchen brauchen – sie war die Anwältin der Kinder.“ Tatsächlich hat die aus Münster stammende Katholikin, die seinerzeit ihrem Mann Horst nach Hannover gefolgt war, immer wieder bewiesen, dass es möglich ist, Tatkraft und Gelassenheit zu kombinieren. „Wenn man mit dem Herzen dabei ist, geht einem die Arbeit eben gut von der Hand“, sagt sie selbst bescheiden, „und meine Berufswahl habe ich nie bereut.“

Tatsächlich spürt man, dass der Umgang mit Kindern für sie immer mehr als ein Job war: „Es ist faszinierend zu sehen, wie sie zu Persönlichkeiten heranwachsen, und es ist eine Freude, sie ins Leben zu begleiten“, sagt die Arnumerin, die selbst Mutter zweiter erwachsener Kinder ist. Dass Kinder heute schwieriger seien als früher, glaubt sie nicht. Allerdings habe sich die Pädagogik weiterentwickelt: „Heute nehmen wir stärker in den Blick, dass jedes Kind individuelle Bedürfnisse hat.“

Auch als Ruheständlerin wird sie weiter mit Kindern zu tun haben: Monika Vorderwülbecke hat eine Ausbildung zur Clownin absolviert; hin und wieder hat sie schon auf Bühnen gestanden –  und künftig will sie insbesondere als Klinikclown arbeiten. Dabei kann die humorvolle Erzieherin dann wieder jene Talente stärker nutzen, die durch die Leitungsaufgaben in der Kita zuletzt oft brach lagen. „Ich möchte Kindern auf Augenhöhe begegnen und ihnen Freude bereiten“, sagt sie selbst. Von einer Berufung kommt man eben auch im Ruhestand nicht los.

Text & Foto: Simon Benne