Kath. Pfarrgemeinde
St. Oliver, Laatzen
mit St. Mathilde und St. Josef

Neujahrsbegegnung 2020

Ein neues Jahr jetzt vor uns liegt, Krise und Chance zugleich, arm macht uns, wie die Zeit verfliegt, Erfahrung macht uns reich.
Noch ist das Jahr noch reichlich jung, für Wünsche bleibt noch Raum, Gott schenkt uns Mut und frischen Schwung und manch erfüllten Traum.
Uns allen lehre neu Respekt vor deiner Kreatur. Gott, wo ein Hilfeschrei uns weckt, beginnt auch deine Spur.
Aus deiner Gnade schöpfen wir, sie deckt wie Tau das Land.                          
Ein neues Jahr, hab`Dank dafür, es bleibt in deiner Hand.

Liebe Gemeinde,
mit diesen Worten von Eugen Eckert, evang. Pfarrer und Liedermacher, heiße ich  Sie alle herzlich willkommen zur Neujahrsbegegnung 2020. Es ist schön, dass wir uns wieder Zeit nehmen, unser Gemeindejahr in dieser Form zu eröffnen.

Ja, wir stehen am Anfang eines neuen Jahres und sogar eines neuen Jahrzehnts. das wieder viel Unbekanntes für uns bereithält, uns mit Veränderungen und Neuem konfrontieren wird.

Gerade am Anfang eines neuen Jahres kann diese Spannung uns besonders bedrängen. Was wird das neue Jahr bringen? Welche Herausforderungen erwarten uns? Wie können wir ihnen begegnen? Welche Rolle kann dabei der Glaube an Gott, das Vertrauen auf Gott spielen? Wir wollen vertrauen, dass Gott es gut meint und gut macht mit unserem Leben, und zugleich fällt dieses Vertrauen uns manchmal auch schwer. Besonders dann, wenn Gott nicht so handelt, wie wir uns das vorstellen, oder nicht so schnell und unmittelbar, wie wir uns das wünschen. Dann wird unser Vertrauen auf die Probe gestellt. Gott mutet uns Veränderungen zu.

Was wird wohl bei mir, bei uns  im nächsten Jahr Neues werden im persönlichen Umfeld, aber auch in der Gemeinde.Was zeichnet sich an Veränderungen ab?  So ganz fremd ist uns das Thema der Veränderungen nicht, wenn wir auf die zurückliegenden beiden Jahre schauen, die wir jetzt im großen Pastoralbereich erlebt haben.

Trotz aller Unsicherheiten und Ängsten, die zu Beginn spürbar waren, haben wir die Umstrukturierungen gut gemeistert und sind viele neue Wege im Vertrauen gegangen, dass es gut gehen und gelingen wird.

Doch die veränderte Gemeindesituation verlangt auch in Zukunft noch weiterhin neue Überlegungen und Entscheidungen, die Zeit und Kraft kosten.

So ist es in dieser Hinsicht ein gutes Zeichen, dass nach den Wahlen im November neue Gesichter, neue Personen, in den Gremien von PGR und KV  hinzugekommen sind, die in Zukunft mit neuen Ideen und großer Motivation, so nehme ich wahr, Verantwortung für das Gemeindeleben mit tragen werden.

Das ist erfreulich und ein Mut machendes Signal für unser Gemeindeleben.

Im April werden PGR und KV sich auf eine Klausurtagung begeben, um zu überlegen und beraten, was Schwerpunkt unserer Arbeit in den nächsten Jahren werden kann. Gern sind wir aber auch ansprechbar für Ideen und Vorschläge von Ihnen, was im Gemeindeleben besonders in den Blick zu nehmen ist, wo es Bedarf gibt.

Es wäre grundsätzlich schön, wenn sich viele von Ihnen, die sich auch nicht in einem gewählten Gremium befinden, von anstehenden Aufgaben ansprechen lassen  und sich bereit erklären, Verantwortung in der Gemeinde mit zu übernehmen und mitzutragen. Ganz direkt ist in dieser Hinsicht die Bitte an mich herangetragen worden, zu erwähnen, dass die Gruppe, die die Kirche putzt, unbedingt Unterstützung braucht. Die anfallende Arbeit liegt nur noch auf wenigen Schultern und ist so kaum mehr zu bewältigen.

Und auch für unsere Besuchsdienste in den Altersheimen werden nach wie vor Personen gesucht, die diesen Dienst übernehmen können.An dieser Stelle möchte ich einer Gruppe danken, dem Altersheim-Besuchsdienst im Altenheim Leinetal.
Diese zehn Frauen haben über lange Zeit ( 15 und mehr Jahre) in diesem Heim segensreich gewirkt und den Bewohnern viel Zeit und Nähe geschenkt. Sie waren oft wie ein Engel für die Heimbewohner und haben ihnen ein wenig den Himmel auf die Erde geholt. So erhalten heute alle einen kleinen Engel als Dank dafür.

Ein ganz besonderer Dank gilt aus diesem Kreis Frau Oberthür, die außerdem 33  Jahre für den Blumenschmuck in unserer St- Oliver-Kirche zuständig war. Damit hat sie Farbe in den Kirchenraum gebracht und so auf ihre Art zum Lobe Gottes beigetragen.

Wir leben in einer Gemeinde, aber auch in einer Stadt, die uns an vielen Stellen die Freuden und Hoffnungen der Menschen, aber auch ihre Sorgen und Nöte zeigt. Diese Welt um uns herum haben wir im Blick zu behalten mit offenen Augen.

So ist es auch eine gute und notwendende Aktion, dass wir schon lange durch Kirchenkaffee, Gemeindesuppe und den Sammelkorb in der Kirche die Laatzener Tafel durch Geld – und Sachspenden unterstützen. Eine ebenso  wertvolle Unterstützung und Hilfe sind weiterhin unsere Sprachgruppen, die Menschen ohne Deutschkenntnisse an die deutsche Sprache heranführen und ihnen das Hineinwachsen in unser Land und unsere Stadt erleichtern.

Ich glaube, hilf meinem Unglauben. So lautet die Jahreslosung 2020. Wie immer lenke ich gern unseren Blick auf sie. Die in diesem Satz ausgedrückte Spannung – glauben (vertrauen) zu wollen und es doch nicht zu können – kennen wir sicherlich alle. Dieser Satz der diesjährigen Jahreslosung aus dem Markusevangelium (Mk 9,14-29) stammt aus einer biblischen Geschichte, in der ein Vater Jesus um die Heilung seines kranken Kindes bittet. Jesus ist seine letzte Hoffnung. Jesus antwortet „Alles ist möglich, dem der glaubt.“ Der Vater entgegnet ihm: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Es klingt wie ein Schrei nach Hoffnung.
Da will einer glauben, aber die Zweifel und die Skepsis suchen sich ihren Raum. Die eigene Widersprüchlichkeit wird offen gelegt. Es ist wie ein Gang an der Grenze.

Ein Lebensgefühl, das heutigen Menschen sehr vertraut ist. Immer wieder sagen Menschen: „Ich möchte gerne glauben, aber ich kann nicht.“ „Ich möchte hoffen, aber in mir sind eine Menge Fragen, Zweifel und Skepsis.“ „Ich möchte gerne vertrauen, aber in mir ist die Angst vor Enttäuschung.“
Schließlich ist es auch die Erfahrung von persönlichem Leid, das Ausbleiben der großen Wunder, die Menschen (ver-)zweifeln lassen.
Der Satz Jesu: „Alles ist möglich, dem der glaubt.“ ist kein Versprechen, dass durch den Glauben alle Wünsche in Erfüllung gehen. Wohl aber ist dieser Satz eine Einladung, die Möglichkeiten zu sehen, die durch den Glauben hervorgerufen werden.

Glaubende sind Grenzgänger zwischen Altem und Neuem, zwischen Nacht und Tag, zwischen Lebensangst und Lebensmut, zwischen Skepsis und Zuversicht, zwischen Finsternis und Licht. Sie vertrauen auf die Verbindung zwischen Himmel und Erde und auf die Engel, die als Himmelsboten ihnen nahe sind.

Von den Wise Guys stammt der folgende Text über einen Engel.

Ein Engel
Ein Engel, der dir deinen Weg weist,
der dich leitet, wenn du ziellos durch das All kreist.
Ein Engel, der dich an die Hand nimmt
und wenn du Angst hast, ein Liedchen für dich anstimmt.
Ein Engel, der dir immer nah ist,
der für dich da ist, wenn du in Gefahr bist.
Ein Engel als tröstendes Licht,
Du sagst, diesen Engel gibt es nicht.

Ein Engel, der dir richtig zuhört,

der das verjagt, was dich nachts in deiner Ruh´stört.
Ein Engel, der dich mal im Arm hält
und der im Winter deine Heizung auf warm stellt.
Ein Engel, der dir einen Brief schreibt,
der mit dir wach bleibt, wenn die Angst dich umtreibt,
und der sich für dich den Kopf zerbricht.
Du sagst, diesen Engel gibt es nicht.

Ein Engel, der dir wieder Mut macht
und diesen Job immer wieder richtig gut macht.
Ein Engel, der dir einen ausgibt
und dich bei Sonnenschein energisch aus dem Haus schiebt.
Ein Engel, der dir freundlich zuwinkt,
mit dir Kaffee trinkt, dich zu deinem Glück zwingt
und der manchmal mit dir Klartext spricht.
Du sagst, diesen Engel gibt es nicht.

Doch dieser Engel ist da,
um dich zu schützen und zu halten.
Dieser Engel ist da,
jeden Tag in verschiedenen Gestalten.
Er lässt dich nie im Regen stehen.
Er lässt dich nie allein.
Doch er ist leicht zu übersehen,
denn er kann überall sein.

Einen solchen Engel wünsche ich Ihnen und  uns allen auf all unseren Wegen durch das neue Jahr2020.

Christine Braun,
Vorsitzende vom Pfarrgemeinderat St. Oliver