–  Man muss doch weggehen können und doch sein wie ein Baum: als bliebe die Wurzel im Boden, als zöge die Landschaft und wir ständen fest. Man muss den Atem anhalten, bis der Wind nachlässt und die fremde Luft in uns zu kreisen beginnt, bis das Spiel von Licht und Schatten, von Grün und Blau die alten Muster zeigt und wir Zuhause sind, wo es auch sei. –

Lieber Pfarrer Berkefeld,

Hilde Domin beschreibt in ihrem Gedicht-Ziehende Landschaft- Ihre Lebenssituation. Sie brechen auf, gehen weg aus Laatzen und unserer Gemeinde. Ein Aufbruch ist wie eine Reise in ein unbekanntes Land, das es zu entdecken gilt. Da schwingt Sehnsucht mit, aber auch Unsicherheit und Ungewissheit mit Blick auf das, was kommen wird.
Andre Gide beschrieb den Sachverhalt so : Man entdeckt keine neuen Erdteile, ohne den Mut zu haben, alte Küsten aus den Augen zu verlieren. Mut, auf Neues zuzugehen, sich einer neuen Herausforderung zu stellen.
Ja, Sie stellen sich der neuen Herausforderung mit Mut und sicherlich auch mit Wehmut. Beim Abschied, der heute nun gekommen ist, heißt es für Sie, Vertrautes loszulassen und sich auf einen neuen Weg zu begeben. Viele Wege sind wir mit Ihnen in den zurückliegenden 14 Jahren gegangen, dabei haben unzählige Begegnungen stattgefunden. Unzählige Gottesdienste haben Sie mit uns gefeiert, die sich durch besondere gestalterische Elemente auszeichneten und eindrucksvolle Bilder in der Erinnerung hinterlassen haben. Dabei versuchten Sie immer wieder, uns in der Liturgie Erfahrungsräume zu öffnen, dem Suchen im Glauben einen Ort zu geben. Das hat Herz und Seele berührt und ist in unserem Herzen fest verankert. Ihr priesterliches Amt haben Sie stets mit großer Würde ausgefüllt und überzeugend gelebt. Ihre Haltung und Ihr Handeln sind von großem Gottvertrauen geprägt, Ihre tiefe Gläubigkeit strahlt aus.
Wenn man die Gemeinde mit einem Buch vergleicht, kann man beim Blättern in diesem Buch an vielen Stellen Ihre Handschrift entdecken und nachlesen, was alles durch Ihr segensreiches Tun in Gang gesetzt wurde. Ja, lieber Pfarrer Berkefeld, Sie haben am Buch der Gemeinde mitgeschrieben. Gern hätten wir es mit Ihnen in Form eines Fortsetzungsromanes weitergeschrieben. Leider ist das nun nicht mehr möglich. Das macht uns traurig.
Bereits bei Ihrem Silbernen Priesterjubiläum vor einem Jahr  habe ich mit Dankbarkeit und Freude Ihr Wirken in unserer Gemeinde beschrieben, noch nicht ahnend, dass der Abschied von Ihnen gar nicht mehr so weit weg war. Auch wenn ich heute einiges davon in meinen Abschiedsworten erneut nenne, soll daran deutlich werden, dass diese Aussagen unverrückbar sind und für uns ganz bedeutsam.

Ja, lieber Pfarrer Berkefeld, wie haben wir Sie erlebt ?
Wie werden wir Sie in Erinnerung behalten ?
Wofür gilt es Danke zu sagen ?

Sie begegneten uns stets mit Freundlichkeit, Warmherzigkeit und großer Offenheit. Dabei konnten wir Ihre große Gabe erleben, die Menschen anzusprechen, sie zu ermuntern, zu bestärken und zum Mittun zu bewegen. Sie ließen uns dabei viel Raum und Eigenständigkeit, waren sensibel in der Begleitung und vor allem hin- und zuhörend. Ihnen war dabei stets wichtig, die Menschen wahrzunehmen mit ihren Freuden und Hoffnungen, aber auch ihren Fragen und Zweifeln, ihren Ängsten und Traurigkeiten. Die vielen Begegnungen, die in den zurückliegenden Jahren stattgefunden haben, waren stets Begegnungen auf Augenhöhe, die weder belehrend noch besser wissend waren, sondern ermutigend und dem Gegenüber Vertrauen und Wertschätzung schenkten.
Ihre einladende und gewinnende Art hat in unserer Gemeinde Spuren hinterlassen. Ihr Beispiel motivierte und inspirierte zugleich, dass auch wir mit ein wenig Stolz von uns sagen können, eine einladende und offene Gemeinde zu sein.

Gott baut ein Haus, das lebt, aus lauter bunten Steinen, aus großen und aus kleinen, eins, das lebendig ist. Wir selber sind die Steine, sind große und auch kleine, und sind wie du und ich.
Wir haben mit in Ihnen in den zurückliegenden 14 Jahren am Haus der St. Oliver Gemeinde gebaut. Dieses Haus verlassen Sie nun. Sie brechen in Laatzen Ihre Zelte ab. Ja, Sie verlassen unser Kirchenzelt (das Dach unserer Kirche gleicht ja einem Zelt), das sich lange Zeit bergend und schützen auch über Sie gewölbt hat.

In der Bibel deutet ein Zelt an, dass wir Menschen stets auf Wanderschaft sind und dass sich das Sich auf den Weg machen zu unserem menschlichen Leben dazugehört und immer auch Wachstum mit sich bringt.
So ziehen sich jetzt weiter nach Duderstadt, wo Sie in Kürze Ihren Dienst in der St. Cyrakius Gemeinde als Pfarrer und als Propst des Untereichsfeldes aufnehmen werden. Für Ihren neuen Wirkungsort und Aufgabenbereich wünschen wir aus ganzem Herzen Gottes begleitenden Segen. Mögen Sie auf Menschen treffen, die mit Ihnen den Weg in Gemeinde und Kirche weitergehen und Ihnen zu guten Wegbegleitern werden.

Wir geben ihnen für diesen neuen Weg einen Rucksack mit, der mit Proviant für Leib und Seele gefüllt ist. Viele Menschen aus den unterschiedlichen Gruppen unserer Gemeinde haben ihn für Sie mit viel Dankbarkeit und Liebe mitgepackt. Sein Inhalt möge Sie erfreuen, Ihr Herz berühren und Sie immer mal wieder an Ihre Olivianer erinnern. Dieser Rucksack möge Sie so auf all Ihren neuen Wegen begleiten, vielleicht auch einmal bei einer Tour durch Ihre neue Heimat, das Eichsfeld, oder durch Berg und Tal im Harz. Wir sagen DANKE !

Dass Sich unsere Wege trennen, ist ein Teil im Lebenslauf, und wenn du jetzt weiterziehst, passt Gott sicher auf dich auf. Ebbe, Flut, ihr steter Rhythmus, lehrt uns Kommen und auch Gehen.
Mögen dir dein Weg gelingen bis zum Wiedersehn. Manchmal scheint die Zeit zu fliegen, eben noch war reichlich da, und jetzt ist sie abgelaufen, plötzlich rückt der Abschied nah. Saat und Ernte, Frost und Hitze, Gottes Rhythmus bleibt bestehen.
Tags und nachts soll dein Weg glücken bis zum Wiedersehn. Sei gewiss im Abschiednehmen, solln wir aufgehoben sein, denn im Sterben und im Leben, lässt uns niemals Gott allein. Ebbe, Flut, ein großer Rhythmus, lehrt uns Kommen und auch Gehen.
Sei behütet und begleitet bis zum Wiedersehn.

Christine Braun, PGR – Vorsitzende St. Oliver
Oktober 2020

Impressionen von der Verabschiedung
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