Kath. Pfarrgemeinde
St. Oliver, Laatzen
mit St. Mathilde und St. Josef

Geschichte zu St. Josef – Gleidingen

Das „Wahrzeichen“ Gleidingens ist die – heute evangelische- St. Gertruden Kirche, dem Durchreisenden von Südosten her gut sichtbar.
Ende des 10. Jahrhunderts stand an dieser Stelle schon eine Kapelle St. Gertrud. Gertrud war die Tochter des fränkischen Hausmeiers Pippin. Sie trat in das Kloster Nevelles in Brabant ein, dem sie 652-659 als Äbtissin vorstand.
Im Zuge der Missionierung des  Sachsenlandes drang ihre Verehrung bis zu Weser und Elbe vor. „So zog diese sicherlich im 9. Jahrhundert in des Bethaus zu Glethingi ein, das als Capella (Mantel) eine Reliquie der Heiligen umschloß“ (nach Landeskirchenarchivar Pastor i.R. Garbe; 27.8.1958).
Die Kapelle wurde bald Pfarrkirche, 1320 entstand ein Massivbau. Romanische Stilelemente sind an dem heutigen Gotteshaus noch erkennbar.

Nachdem Gleidingen 1523 an den protestantischen Herzog Erich von Kalenberg gefallen war, wurde auch hier 1543-1580 die Reformation durchgeführt. „Das katholische Leben war erloschen, so schriebt Pfarrer Pohl, „im 19. Jahrhundert jedoch kamen durch den Zuzug katholischer Industriearbeiter wieder Katholiken her. Im Jahr 1815 waren hier 18 Katholiken ansässig, 1885 waren es 48, 1895 – 154 und im Jahr 1910 bereits  240 Katholiken. Die meisten kamen aus Oberschlesien, aus dem Kreise Rosenberg, aber auch aus der Provinz Posen.

Pfarrer Jonhannes Kaup aus  Ruthe gründete deshalb am 4. Mai 1913 einen Gesamtschulverband Ruthe-Gleidingen-Heisede, der eine katholische Schule an der Oesselser Straße baute.   Am fünften November 1913 wurde die Schule eingeweiht.
Am 27. April 1914 gab Bischof Adolf Bertram dem Pfarrer Kaup die Erlaubnis, den Schulraum zwecks Abhaltung des Gottesdienstes zu benedizieren.
Damit wurde Gleidingen auch Gottesdienststation. Zweimal in der Woche feierte der Pfarrer von Ruthe in dem Klassenzimmer vor dem Unterricht die heilige Messe. Dazu hatten auch die Erwachsenen Zutritt.
Ein zwei Meter breiter Nebenraum zur Aufbewahrung der für die Messfeier notwendigen Utensilien wurde auf Kosten des bischöflichen Stuhls eingebaut. Altar war der Ankleideschrank, der später in der Sakristei von St. Josef verwendet wurde.   Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die katholische Schule in Gleidingen (1939) geschlossen, die Inneinrichtung teilweise zerstört. Das Kreuz konnte in einer spektakulären Aktion gerettet werden und hängt jetzt im Josef-Godehard-Heim.
Im Jahr 1935 begann Pfarrer May von der Pfarrkirche in Ruthe, unterstützt vom Bischöflichen Generalvikariat in Hildesheim, damit ein Grundstück zum Bau eines würdigen Gotteshauses in Gleidingen zu suchen. Nachdem dies gelungen war, begannen am 1. März 1938 an der heutigen Straße Zum Anger die Bauarbeiten nach Plänen des Architekten Fricke ( Hildesheim).

Am Sonntag, den 19. Februar 1939, wurde die Kirche durch Bischof Josef Godehard dem Namenspatron St. Josef geweiht. Der Bischof schenkte der Kirche bei dieser Gelegenheit eine Bronzeglocke sowie die von Christel Passau aus Holz geschnitzte St. Josefsstatue. Eine zweite Bronzeglocke und ein Messbuch stiftete der Rittergutpächter Günter aus Gleidingen. Eine der beiden Glocken musste am 3. Juni 1942 für Kriegszwecke abgeliefert werden. Der große Bombenangriff auf Hannover am 22. September 1943 hinterließ Schäden am Kirchengebäude: Das Dach wurde fast völlig abgedeckt, das Turmdach beschädigt und mehrere Fenster zerstört.

Eine wesentliche Bereicherung für das Gemeindeleben bildet heute das Josef-Godehard-Heim, das am 29. April 1973 eingeweiht wurde. Am 1. Januar 1982 erfolgte die Neuordnung der Pfarrei, wodurch die katholische Kirche in Gleidingen als Filialkirche der Pfarrkirche in St. Oliver in Laatzen-Mitte zugeordnet wurde.

(Text zusammengestellt nach Festschrift „1000 Jahre Gleidingen“  (John / Ritter 1983) und  „50 Jahre St. Josef“ (1989)).
Jürgen Tinat