Das Misereor Hungertuch 2025/26
Gemeinsam träumen – Liebe sei Tat in 7 Nachdenkereien
6. Palmsonntag, 13.04.2025
Siebte Nachdenkerei – Wer darf ins Boot
Nicht jeder darf mit. Nur von jeder Sorte ein Paar. Was geschieht mit den anderen? Von den Tieren, die geopfert werden, weil Gott die Menschen strafen möchte, wird in der Bibel nichts erzählt.
Nicht jeder darf rein. Nur die, die so sind wie wir, sind willkommen. Hautfarbe, Sprache, Religion und Kultur entscheiden über ein Ja oder ein Nein.
Nicht jeder ist willkommen. Nur der mit Green Card, der sich als nützlich für unser Wirtschaftskraft erweist. Von der Not, die dahinter vielleicht steht, will keiner hören.
Das Boot ist voll?
Das Land ist voll?
Was würde uns Jesus sagen?
Liebe sei Tat.
5. Fastensonntag, 06.04.2025 - Passionssonntag - Judica me, Deus – Richte mich
Sechste Nachdenkerei – Sturm
Auf der linken Bildhälfte lacht uns der laue Sommerhimmel entgegen, auf der linken Seite zieht eine Windhose auf unsere Schutzinsel zu über dem noch ruhigen Meer. Die Fische schwimmen alle von links nach rechts, raus aus der Gefahrenzone, am Ungewitter vorbei.
Keiner weiss, wie sich das Gewitter auswirken wird, ob der Tornado die Insel trifft oder nicht, welche Schäden er hinterlässt, wie und wo die Menschen Schutz finden werden.
Das Gewitter liegt nicht in unserer Entscheidungsgewalt und stürmt doch mit aller Gewalt über uns her, macht uns Angst bis in unsere Grundfeste.
In jedem Winkel der Erde prägen die Bedrohung der Lebensräume, genauso wie Kriege, Wirtschaftskrisen unsere Realität, unseren gesicherten Lebensraum.
Wo finden wir Schutz, wie überstehen wir, unsere Familien, Freunde, Verwandten, die Menschen, die jetzt schon auf der Flucht sind, diese Krisen?
Wir alle sitzen auf der gleichen Insel wie Gestrandete.
Paradies und Apokalypse, die Sehnsucht nach der heilen Welt und die Angst vor ihrem Untergang sind Pole, zwischen denen sich das Menschsein abspielt.
Eine zerbrechliche und doch trotzige Hoffnung zeigt sich in der Stärke, dem Sinn für Humor, der Kreativität, dem Lächeln statt der Verzweiflung, der winkenden Hand.
Vielleicht finden wir einen Weg, die Zerissenheit der Welt und den Stürme jeden Tag neu zu begegnen mit dem Knüpfen geschwisterlicher Bande zwischen uns und den Menschen und zwischen uns und Gott.
Vielleicht fühlen wir uns besser und stärker, wenn wir uns die Hände reichen, wenn wir Respekt, Verantwortung, Zuneigung und Zärtlichkeit füreinander entwickeln.
Liebe sei Tat!
4. Fastensonntag, 30.03.202 - Laetare - Freue dich, Stadt Jerusalem!
Fünfte Nachdenkerei – Storch
Der Storch, er sitzt mittig im Hungertuch oben auf dem Zelt. Warum?
Störche sind für uns besondere Tiere. Sie gelten als Frühlingsverkünder und Glücksbringer, wie der Name Adebar sagt.
Wenn der Weißstorch aus dem Süden zurückkommt, freuen wir uns auf den Frühling. Die Tage werden länger und heller, die neue Vegetationsperiode beginnt.
Auch in ihrem Verhalten werden Störche als vorbildlich angesehen. Sie versorgen fürsorglich ihre Jungen und gelten als besonders fürsorgliche Tiere. Schon im alten Ägypten glaubte man erkannt zu haben, dass junge Störche ihre Eltern versorgen, wenn diese alt sind und deren Kräfte schwinden. Dieser Mythos wurde von den Griechen in Form des „Storchendanks“ als solidarische Verpflichtung der Jungen den Alten gegenüber geprägt. (1)
Der hebräische Name des Storches bedeutet übertragen: die Treue, die Zuverlässige.(2)
Ein guter Gedanke: Fürsorge, Verlässlichkeit und Treue!
Liebe sei Tat.
(1) https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/artenschutz/weissstorch/27726.html aufgerufen 27.02.2025 15.36 Uhr
(2) https://www.die-bibel.de/ressourcen/wibilex/altes-testament/storch aufgerufen 27.02.2025 15.40 Uhr
3. Fastensonntag, 23.03.2025 4. Nachdenkerei - Kreuz Oculi mei semper ad Dominum - Meine Augen schauen stets auf den Herrn
Vierte Nachdenkerei – Kreuz
In der Mitte der Insel steht ein weißes Zelt, dessen Eingang geöffnet ist. Es erinnert an die weißen UN-Unterkünfte für geflüchtete Menschen. Zelte sind durchlässig, fragil, unsicher, bieten kaum Privatsphäre, sind schnell auf- und abgeschlagen und bieten Schutz für begrenzte Zeit.
Ein Leben im Zelt heißt: unterwegs zu sein, immer bereit zu neuen Aufbrüchen mit den Füßen, mit Kopf, Herz und Hand. Ein Leben in Bewegung und Unsicherheit ohne Bindung an Räume und Orte.
Das weiss-leuchtende Zelt, Gold umrandet, ist wie ein Heilsraum. Es erinnert an die Geschichte von Gott, der dem Volk Israel durch die Wüste in einem Zelt voranzog, dem Zelt der Begegnung.
Die goldene Zeltspitze, eine aufragende Antenne, die Himmel und Erde verbindet und jeden Notschrei aufnimmt und weiterleitet, eine Antenne der Liebe.
Die angedeuteten goldenen Streifen an den Rändern des Hungertuches deuten ein Kreuz an. Dieses christliche Zeichen nimmt die Szene in die Mitte und markiert sie als Besonderes. Die Frau im Eingang zeigt auf die Zeltspitze. Mahnung oder Warnung?
Unser Gott ist mit uns auf dem Weg in dunklen Zeiten. Krisen fordern oft Veränderungen von uns. Um diese zu bewältigen, können wir uns gegenseitig helfen, nach vorn zu schauen und Träume und Ideen entwickeln. Wohin gehen wir gemeinsam?
Liebe sei Tat.
2. Fastensonntag, 16.03.2025 - Flucht Reminiscere - Denk an dein Erbarmen, Herr
Dritte Nachdenkerei – Flucht
Wer flüchtet? Und warum? Und wie sieht Flucht aus?
Viele Gründe können Menschen dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen. Viele Geschichten könnten erzählt werden.
Wenn jemand sie hören wollte.
Es sind Geschichten von Krieg, Ungerechtigkeit und materieller Not, Geschichten von Hoffnung auf etwas Anderes, Besseres,
Hoffnung auf die Zukunft, die eigene und die der Kinder.
Da ist die hochschwangere Frau im Boot über das Mittelmeer.
Da ist die Familie mit dem Neugeborenen im Boot.
Machen wir uns nichts vor: auch wir fliehen fast täglich vor etwas, vor der unangenehmen Wahrheit, vor unangenehmen Aufgaben, manchmal fliehen wir vor uns selber.
Unangenehmen Wahrheiten ins Auge sehen oder Verschwörungstheorien folgen?
Unangenehme Aufgaben angehen oder einfache Scheinlösungen akzeptieren?
Über mich selbst ein klares Bild suchen oder eine Maske aufsetzen, die mein wahres Ich versteckt?
Jesu Worte mit offenen Augen hören und tätig werden
Liebe sei Tat.
1. Fastensonntag, 09.03.2025 - Invocabit me et ego exuadian eum - Wenn er mich ruft, dann will ich ihn erhören
Zweite Nachdenkerei – Wasser
Wie viele Eimer entdecken wir auf dem Hungertuchbild?
Links beugt sich der Junge aus Nigeria über einen weißen und gelben Eimer, ein anderer Junge aus Brasilien verschüttet Wasser im großen Bogen aus einem kleineren Eimer und lacht dabei, ein weiteres Becherchen steht im Sand neben zwei Mädchen aus Indien.
Wozu werden die Eimer gebraucht?
In vielen Ländern kommt das Trinkwasser nicht wie bei uns aus dem Wasserhahn, frisch, sauber und kühl sondern muss aus einem Brunnen geholt werden. Der Weg dahin kann sehr lang sein. Oft sind es Frauen, die diese schwere Last kilometerweit nachhause tragen. Frisches Wasser wird zum Trinken, Waschen, Gemüseputzen, zum Kochen, zum Tränken der Tiere unbedingt benötigt.
Bei uns in Deutschland verbraucht ein Mensch täglich ca. 120 Liter Wasser nicht nur für lebensnotwenige Anwendungen. In den südlichen Ländern dagegen ist das Wasser knapp. Oft regnet es monatelang nicht. Dann bleiben die Brunnen und Eimer leer- das Leben wird schwer.
Aber das Wasser auf dieser Erde gehört allen Menschen. Weil es so kostbar ist und immer knapper wird, ist es wichtig, dass auch wir in Europa sparsam damit umgehen.
Schauen wir noch mal aufs Hungertuch:
Die Kinder auf der kleinen Insel sind dort sicher nicht zu Hause. Hier können sie auf Dauer nicht leben. Auf der Insel fehlt ihnen alles: Trinkwasser, Nahrungsmittel, ein Stück Land zum Anbau, Strom, feste Häuser. Vermutlich sind sie von dort, wo sie herkommen, geflüchtet, weil ein Krieg sie vertrieben hat oder weil es in ihrem Land viel zu trocken geworden ist.
Die Frau am Brunnen, die Samariterin, reichte Jesus aus einem Schöpfgerät frisches Wasser. Er sagte ihr daraufhin noch besseres Wasser zu.
Gott möge uns den Willen und die Kraft geben mit anderen zu teilen, so dass es für alle reicht.
Liebe sei Tat.
05.03.2025 Aschermittwoch
Erste Nachdenkerei – Feuer
„Feuer ist tausend mal tausend auf der Glut tanzend Flammen.
Feuer ist lebendig, wild und unberechenbar.
Feuer wird, Feuer ist, Feuer vergeht.“
Ich sehe das Feuer. Die Flammen tanzen und züngeln. Es knistert. Rauch steigt auf, Funken sprühen. Ich spüre die Wärme. Es ist hell.
Dann erlischt es. Rot glüht die Asche. Und schließlich ist das Feuer aus. Das Holz zuvor ein lebendiger Baum, ist verbrannt. Etwas Neues ist daraus hervorgegangen. Asche – nur Müll?
Auch in uns lodern Flammen. Unser inneres Feuer brennt und gibt uns Energie zum Leben und um unser Leben zu gestalten.
„Das Wesen des Menschen ist tausendmal tausend Flammen auf der Glut, die in seiner Seele ruht.
Die Flammen tragen Namen:
Freude, Wut, Angst, Trieb, Tat, Traum, Liebe, Glück, Gier.
Geh durch die Flammen zurück zur Feuer-Energie, geh zurück zur Glut…“(1)
Das Hungertuch stellt einige Facetten dieses Lebens dar. Schauen wir in die Gesichter der Menschen. Angst, Unsicherheit, Zuneigung, Neugier, Lachen und Sehnsucht sind darin zu lesen.
Ja, auch wir sind lebendig, wir brennen, haben Energie, geben Energie und Licht ab, und brennen aus.
Liebe sei Tat!
(1) An Agni Smidah, »Der, der die Flammen schmiedet« (Pseudonym), Mystiker aus: https://www.aphorismen.de/gedicht/209632 (aufgerufen am 27.02.2025, 14.57 Uhr)
