Will das Glück nach seinem Sinn dir was Gutes schenken, sage Dank und nimm es hin ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt, doch vor allen Dingen: Das, worum du dich bemühst, möge dir gelingen.

Liebe Gemeinde , mit den Worten von Wilhelm Busch begrüße ich Sie recht herzlich zu unserer Neujahrsbegegnung und wünsche euch und Ihnen allen ein gesegnetes neues Jahr. Wie ein ungeschriebenes Buch liegt das neue Jahr vor uns. Wir wissen noch nicht genau, was darinnen stehen wird. Wir können auch noch nicht sagen, was wir hinein schreiben werden. Natürlich können wir manches abschätzen, was kommen wird. Ein paar Einträge im neuen Kalender stehen sicherlich bei einigen schon und sind vielleicht dick unterstrichen: Die Einladung zum  runden Geburtstag, die Ferien- und Urlaubszeiten, und vielleicht doch schon wieder eine Menge Termine.

Zu Beginn eines neuen Jahres schauen wir meist noch einmal zurück und fragen uns: Wie war das zurückliegende Jahr?
Sind wir um ein Jahr reicher geworden oder um ein Jahr ärmer? Haben wir ein Jahr hinzugewonnen, oder haben wir es verloren? Wie auch immer ist das zurückliegende Jahr ein Teil unseres Lebens, unverrückbar.

Was ist eigentlich das Leben?
In einer Fabel heißt es, dass man einmal den Tieren diese Frage gestellt hat. Und sie überlegten gar nicht lange. Jedes Tier wusste eine andere Antwort. Das Leben ist ein Lied! So sang gleich die Nachtigall in den höchsten Tönen. Nein, das Leben ist ein Kampf im Dunkeln, klagte die Wühlmaus. Der Maikäfer dachte an die vier Jahre, die er braucht, bis er endlich fliegen kann. Deshalb meinte er philosophisch: Das Leben ist eine Entwicklung.

Der bunte Schmetterling tanzte durch die Lüfte: Das Leben ist nichts als Freude.
Die Eule aber macht ein sorgenvolles Gesicht und seufzte: Das Leben ist nichts als Traurigkeit.
Die Schwalbe zwitscherte dazwischen: Das Leben ist ein kurzer Sommer.
Die Biene gönnte sich kaum Zeit: Endlose Arbeit und Mühe ist das Leben.
Der Affe schnitt eine Grimasse und lachte: Das Leben ist nur ein Scherz.
Die Schildkröte zog den Kopf unter den schweren Panzer ein und klagte: Das Leben ist ein Tränental.
Der Adler schwang sich in die höchsten Höhen und rief: Freiheit und Kraft ist das Leben.
Der Pfau schließlich betrachtete seine Federnpracht und schwärmte: Das Leben ist wie ein Traum. –
Und es wurde Abend und die Tiere schlummerten ein.

Vielleicht haben Sie eine von diesen Antworten als besonders zutreffend empfunden. Oder haben Sie zu einer der Antworten ganz energisch Nein! gesagt. Vielleicht sind Ihnen noch neue Antworten eingefallen. Oder ist von allem ein bisschen etwas dran. Das Leben ist bunt. Das vergangene Jahr ist ein Stein aus dem Mosaik, aus dem unser  Lebensbild gestaltet ist, ein echter Baustein, den wir mit Freude und Stolz in das Haus unseres Lebens einfügen können. Der Anfang eines neuen Jahres  ist vielleicht auch ein guter Zeitpunkt, Gott zu danken für jedes Glück und für jeden Erfolg. Und wenn das Leben manchmal dunkel, mühsam und schwer war, darum zu bitten, dass uns Hilfe auch weiterhin geschenkt wird.

Was ist eigentlich das Leben?
Die Tierfabel, die ich am Anfang erzählt habe, ist noch nicht ganz zu Ende. Es fehlt noch die letzte Antwort. Denn als der neue Tag anbrach, da sagte das Kamel, das gar nicht so dumm ist, wie die Leute immer meinen. Es sagte: -Das Leben ist immer wieder ein Anfang. Das Leben ist immer wieder ein Anfang, vielleicht auch eine Gelegenheit, Akzente neu zu setzen, im persönlichen Umfeld, im gemeindlichen Miteinander, im Gespräch mit Gott. Das Leben ist immer wieder ein Anfang. Dieser neue Anfang möge glücken, gelingen und unter Gottes Segen stehen.
Da kommen mir die Worte eines Liedes in den Sinn. Sie beschreiben in guter Weise das Miteinander, wie es sich hier in Gemeinde oft zeigt.
Suchen und fragen, hoffen und sehn, miteinander glauben und sich verstehn, lachen, sich öffnen, tanzen befrein.
Klagende hören, Trauernde sehn, aneinander glauben und sich verstehn,
Planen und bauen, Neuland begehn, füreinander glauben und sich verstehn, leben für viele, Brot sein und Wein. So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

Nun möchte ich Ihnen noch einen wichtigen gemeindlichen Termin nennen. Im November 2019 werden die Wahlen zum PGR und KV stattfinden. Aufgrund der Einrichtung des neuen Pastoralbereiches und der vielen Veränderungen, haben wir mit Zustimmung von Hildesheim die Wahl um ein Jahr verschieben können. Im November stehen nun aber die Wahlen unaufschiebbar an.

Ich hoffe und wünsche, dass sich genügend Bereitwillige finden mögen, die sich zur Wahl stellen, um Kirche und Gemeinde mit zu gestalten. Gerade in einer Zeit des Umbruchs, die nach wie vor von inhaltlichen Neuausrichtungen und Veränderungen in unserem großen Pastoralbereich geprägt ist, sind die Kompetenzen, Charismen und Erfahrungen vieler gefragt, um unserer Gemeinde auch in den nächsten Jahren ein menschenfreundliches Gesicht zu geben. An dieser Stelle sei allen gedankt, die Aufgaben übernommen im Bereich von Küster- und Hausmeisterdienst. Christoph Gabriel fehlt uns sehr. Wir denken an ihn und hoffen auf weitere Fortschritte in der Genesung.
Aufgaben und Tätigkeitsfelder warten an vielen Stellen der Gemeinde auf Menschen, die bereit sind, Verantwortung mit zu übernehmen.
Vielleicht sollte es uns noch mehr darum gehen, in unseren Gottesdiensten und Gemeindeveranstaltungen eine Atmosphäre zu schaffen, die unsere Hoffnung und unser Vertrauen spürbar werden lässt, die Menschen beflügelt und bewegt, die Menschen Kraft und Energie gibt, um zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen und zu verändern.
Ganz konkret möchte ich, wie bereits schon mehrfach erwähnt, an die Besuchsdienste in unserer Gemeinde erinnern, in den Altenheimen und im Krankenhaus wie auch die Gratulation zu hohen Geburtstagen und die Kontaktaufnahme zu Neuzugezogenen. In allen Bereichen brauchen wir tatkräftige Unterstützung.

Ein mögliches Tätigkeitsfeld liegt im Bereich der Familienarbeit. Im Pfarrgemeinderat haben wir darüber nachgedacht, langfristig für Tauffamilien und Familien, deren Kind zur Erstkommunion gegangen ist, begleitende Treffen anzubieten, um miteinander im Kontakt zu bleiben und das Beziehungsnetz zur Gemeinde und untereinander zu stärken und weiter auszubauen. Vielleicht kann dann auch ein Stück Heimat entstehen.
Heimat wird lebendig, wo Menschen sind, die miteinander leben und Leben gestalten. Möge unsere Gemeinde auch im kommenden Jahr ein solcher Ort sein, an dem wir uns aufgehoben und wohl fühlen, eben ein Stück beheimatet.
Enden möchte ich mit den Worten des belgischen Ordenspriesters und Schriftstellers Phil Bosmans:

Ich wünsche dir für das neue Jahr….
365 Blumen, für jeden Tag eine.
Ich wünsche dir die Augen eines Kindes, den Traum eines Kindes, das Herz eines Kindes.
Dann kannst du im neuen Jahr alles neu sehen.
Ich wünsche dir, dass du wenigstens einen Menschen hast, bei dem du Geborgenheit findest.
Ich wünsche dir, dass du wenigstenseinmal am Tag voller Freude bist.
Ich wünsche dir, dass du wenigstens ein paar Menschen mit deiner Freundschaft
glücklich machst und mit deinem Lachen anstecken kannst.

Christine Braun (Vorsitzende vom Pfarrgemeinderat)

Fotos: Kornelia Moritz