Ökumenischer Mutmacher

Hier veröffentlichen wir während der Coronakrise persönliche „Mutmachtexte“ von Menschen aus unseren evangelischen und katholischen Gemeinden. Wir freuen uns, wenn auch Sie uns Ihren Text zusenden. Gern können Sie das tun unter der Adresse: ilka.straeck@gmx.de

(Einige Texte können wir aus urheberrechtlichen Gründen leider nur zeitbegrenzt oder überhaupt nicht veröffentlichen. Wir bitten um Verständnis!)


Christine Braun aus der St. Oliver-Gemeinde schickt uns ein sehr schönes Gedicht von Hannelore Bares: 

HEILIGEN GEIST empfangen – und dann?

Dann
immer wieder HEUTE
ein neues Pfingsten
aufbrechen lassen in uns;
uns vom Geist der Vielfalt
bewegen lassen
Begrenztheit zu überwinden und
uns nicht länger mit unserer engen Sicht zu begnügen

immer wieder HEUTE
ein neues Pfingsten
einbrechen lassen in unsere Zeit;
uns vom Geist des Lebens
einladen lassen
den Zeichen zu trauen die er uns schenkt und
uns führen zu lassen von ihm

immer wieder HEUTE
ein neues Pfingsten
anbrechen lassen für alle;
uns vom Geist der Buntheit
ermutigen lassen
aus dem Quell der Fülle Gottes zu schöpfen und
Farbe zu bekennen zu ihm

Hannelore Bares


Beate Pohl aus Rethen schreibt:

Das Armband mit den Perlen des Glaubens begleiten und verbinden uns „Petrifrauen“ schon seit fast 15 Jahren.
Der schwedische Bischof Martin Lönnebo hat die Perlen des Glaubens entwickelt. Es sind 18 Perlen, die unseren Glauben „begreifbar“ machen. Jede einzelne Perle hat ihre eigene Bedeutung. Sie steht für eine Lebensfrage, einen Gedanken, ein Gebet. In diesem Perlenband zusammengefügt, sind die Perlen uns Petrifrauen zu einem Sinnbild für unseren Alltag geworden. Diese Perlen des Glaubens, sie sind es, die uns besonders jetzt durch diese herausfordernde Zeit tragen und MUT MACHEN.

Zur goldenen GOTTESPERLE gehört ein Liedruf:
DU bist ewig, Du bist nahe, Du bist Licht und ich bin Dein.

Beate Pohl St. Petri, Rethen


Wiltrud-Ulrike Mühlbauer aus Laatzen-Mitte schrieb uns das schon vor einiger Zeit. Vielleicht hilft uns die Erinnerung daran auch in dieser Zeit, wo es schon Lockerungen gibt und trotzdem viele von uns sehr verunsichert oder frustriert sind.

Das macht mir Mut …
dass wir uns insgesamt entschleunigen
dass wir den kleinen Spaziergang durch die erwachende Natur entdecken
dass wir die „Systemrelevanten“, Verkäuferinnen, Pflegerinnen, Krankenschwestern, Betreuerinnen (weit über 70% der in den entsprechenden Berufen Arbeitenden sind Frauen!) Ärzte*innen wertschätzen
dass wir die Kranken, gesundheitlich Beeinträchtigten, Alten verstärkt in den Blick nehmen
dass so viel ehrenamtliche Hilfe angeboten wird: Einkaufsdienst, Mundschutz nähen, Mini-Konzerte von Balkon, vor den Pflegeheimen, im Internet
dass wir uns gegenseitig „Bleib gesund!“ zurufen!

Schade nur, dass es dazu erst dieses winzige, unsichtbare Ding brauchte…
Bleibt alle gesund und behütet und haltet irgendwann nach dieser Krise einmal inne und erinnert euch…


Beate Pohl aus Rethen schreibt:

Ein anderer Text – macht er auch Mut?? Ich weiß es nicht.
Aber ich finde ihn gut. Und – die Frage ist berechtigt.
Läßt nachdenken – lockt Wünsche – macht demütig.
Aber macht hoffnungsvoll – und erwartungsvoll.
 
ONLINE
Ich schaue Gottesdienste online
sehe Live-Streams dann und wann
höre Podcasts hin und wieder
lausche Predigten und hoffnungsvollen Worten
Trost gibt es online und noch viel mehr
Aber, hey Gott,
wann kann ich endlich
wieder offline gehen?
Berührungen, Umarmungen, Trost, Begegnungen …live spüren,
fühlen, genießen, hören, sehen …?
Ach, Gott,
diese Frage muss sein: wann?
OFFLINE!?
 
Theresia Bongarth
In: Pfarrbriefservice.de

 


Karl-Heinz Hüther von der kath. St. Oliver-Gemeinde in Laatzen schreibt:

Der Sonnenaufgang am See Genezareth (im Bild rechts) mit einem Auszug aus dem Sonnengesang des Hl. Franziskus:

Laudato sie, mi‘ signore, cun tucte le tue creature,
spetialmente messor lo frate sole,
lo qual’è iorno, et allumini noi per loi.
Et ellu è bellu e radiante cun grande splendore,
de te, altissimo, porta significatione.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, mit all deinen Geschöpfen,
vor allem mit der edlen Schwester Sonne.
Sie bringt uns den Tag und das Licht,
sie ist schön und strahlt in mächtigem Glanz,
von dir, du Höchster, ein Gleichnis.

Im italienischen Original ist von Bruder Sonne und Schwester Mond die Rede, weil im Italienischen wie im Lateinischen die Sonne männlich (il sole), der Mond weiblich (la luna) ist. In deutsche Übersetzungen kann der Text auch dem deutschen Sprachgebrauch angepasst werden.

Karl-Heinz Hüther
Mitglied des Pfarrgemeinderats der Katholische Pfarrgemeinde St. Oliver Laatzen mit St. Mathilde und St. Josef

 


Sibylle Weitkamp aus der Thomaskirchengemeinde in Laatzen schreibt:

Wenn ich zum Gottesdienst in die Thomaskirche in der Arche in Laatzen gehe, setze ich mich immer auf die linke Seite, um die vier schönen farbigen Glasfenster anschauen zu können. Bevor der Gottesdienst beginnt, inspirieren die kräftigen wunderbaren Farben rot und blau und die abstrakten Formen des Glases meine Gedanken, ich lasse sie schweifen und kann mich so auf die kommenden Gebete, die Lieder, die Orgelmusik und die Predigt einstimmen.

Im Alten Testament steht im 1. Buch Moses im 8. Kapitel, in dem vom Ende der Sintflut, von Noahs Opfer und der Verheißung des Herrn berichtet wird, in Vers 22 folgendes: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“. Und im 9. Kapitel, das überschrieben ist mit den Worten „Gottes Bund mit Noah“, heißt es im 1. Vers: „Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde“.

Am unteren Rand der Glasfenster sind Auszüge aus dieser Bibelstelle eingebracht, die man gut lesen kann, wenn man nahe genug daran sitzt. Wenn ich diese Worte lese, fühle ich mich so geborgen und behütet in der Thomaskirche und bin zuversichtlich, dass Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter und Tag und Nacht auf unserer Erde nicht aufhören werden, wenn wir alle dazu beitragen, die Schöpfung zu bewahren. Mich bewegt auch immer wieder im 2. Fenster von links der Umriss der Landkarte von Gebieten in Indonesien, die bei dem großen Tsunami im Dezember 2004 zerstört worden sind, und bei dem unendlich viele Opfer zu beklagen waren. Das ist für mich ein großartiges Gedenken an die, die ihr Leben verloren haben.

Sibylle Weitkamp, Thomaskirchengemeinde


 

Magdalena Hentschel aus Laatzen-Mitte schreibt:

Ein Gedicht von Ju Sobing

 

Wende dein Gesicht der Sonne zu
Spüre auf deiner Haut Wärme
Schließe die Augen und sei ganz Ohr
Lausche
Lausche dem Vogelruf
Lege die Hand an den Baum
Saft steigt singend empor
Fühle das Leben in dir
Und wenn der Regen fällt spüre das Wachsen

(Abdruckgenehmigung durch Autorin an Frau Hentschel erteilt)

Für all das haben wir jetzt besonders viel Zeit und Muße und das tut so gut. Mir tut es gut und bringt mir jedes Mal das Staunen vor Gottes Schöpfung in mein Herz.

Und Gottes Versprechen: es soll nicht aufhören -Saat und Ernte -Frost und Hitze  -Sommer und Winter – Tag und Nacht – und Gott segnete, so wie es in den Fenstern der Arche steht, bekommt wieder einen ganz neuen Sinn, trotz oder gerade wegen Corona.


“Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.”
(Mt18,20)

Diese Worte aus dem Matthäusevangelium sind uns bekannt und in jeder Eucharistiefeier finden sie neue Wertschätzung. Doch in diesem Jahr steht die österliche Zeit überall im Schatten von Corona.
Gottesdienste fallen aus und sind für die meisten von uns ein schmerzlicher Verlust. Unser Leben an sich, aber auch unser spirituelles Dasein mit den liebgewordenen Kontakten in unseren Gemeinden läuft auf Sparflamme.

Eucharistiefeiern per Fernsehen oder am Computer konnte ich mir so gar nicht vorstellen.
Und doch bin ich zur Feier der Osternacht per Livestream in St. Oliver gelandet und zu den folgenden Gottesdiensten sehr gern geblieben.

Ostern war in diesem Jahr anders und vielleicht werden wir auch an Pfingsten noch nicht wieder zum gewohnten und vertrauten Gemeindeleben zurückgekehrt sein, doch wir dürfen uns darauf verlassen, dass die Worte Jesu auch weiterhin ihre Gültigkeit haben werden, wenn wir uns  – wie auch immer – zu einem Gottesdienst zusammenfinden.

Er ist und bleibt in der Mitte all derer, die ihn suchen und teilen.

Gaby Bessen aus St. Theresia Birkenwerder

 


 

„Jesus spricht: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Johannes 16  Vers 33

Lesen Sie hier, was Beate Pohl von der St. Petri-Gemeinde in Rethen mit diesem Vers verbindet:

Dieses Bibelwort hat mich in meinem Beruf als Krankenschwester begleitet und vieles Unbegreifliche aber nicht begreiflich gemacht.  Trotzdem ist es eines meiner mir wichtigsten Bibelworte.

„In der Welt habt ihr Angst“. Sie gehört auch zu meinem Leben. Ich spüre, wie sie manchmal von mir Besitz ergreift. Gerade jetzt in dieser Zeit, die uns, so fühle ich es, überrollt hat. Da ist die Sorge und die Angst um die Familie und Freunde und auch um mich.

„Aber seid getrost.“ Diese drei Worte geben mir Geborgenheit und Wärme. Darin fühle ich mich gehalten und getröstet. Dieses „Getröstetwerden “ befreit mich. Ich kann wieder klarer denken und handeln.

„Ich habe die Welt überwunden“. Diese Worte schenken mir Vertrauen, lassen das, was mir  Angst macht, leichter werden. Ich bin dankbar, wenn meine Gedanken in angstvollen Situationen diese Johannes-Wort finden und mir Kraft geben. Auch in entspannten Momenten. So erging es mir vor ein paar Jahren an der Ostsee. Da war in Greifswald in der wunderschönen renovierten Marien-Kirche der Bibelvers vor dem Kreuz mir ganz nah.

Auch jetzt wird mich dieser Bibelvers durch die Zeit tragen.
„Jesus spricht: In der Welt habt ihr Angst;
aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Beate Pohl, St. Petri Rethen


 

Karin Seidler aus der Thomasgemeinde schickt uns diese mutmachenden Gedanken:

Vertrauen macht Mut

In einem Telefonat mit einer Freundin sprachen wir über unsere Möglichkeiten in dieser Coronazeit. Ich war verzagt, meine Freundin zuversichtlicher. Sie sagte: „Erinnere dich an die Krisen deines Lebens und was dir half sie zu bewältigen.“ Welch ein guter Gedanke! Ja, meine Lebenskrisen fielen mir sofort ein und nach und nach auch das, was mir heraus half. Ich war meiner Freundin sehr dankbar, fühlte mich gestärkt und mutiger, das Vertrauen wuchs.

Wie so oft in meinem Leben fiel mir dann  glücklicherweise auch ein passendes Lied ein:“ Vertrauen wagen dürfen wir getrost, denn du Gott bist mit uns, dass wir leben“. (EG 607)

Und wenn das Vertrauen doch wieder schrumpft, ermutigen mich folgende Zeilen von Susanne Niemeyer: [aus Urheberrechtsgründen finden Sie die Zeilen von Frau Niemeyer auf der Website der Thomasgemeinde Laatzen]