Und plötzlich ist die Krone ab

„Muss noch jemand auf die Toilette?“, fragt Thomas Musch in die Runde. „Nein? Dann können wir jetzt losgehen.“ Vorher gibt er „seinen“ Kindern allerdings noch ein paar Tipps mit auf den Weg: „Bitte sprecht und singt laut und deutlich.“
Der Rethener ist einer von zehn Vätern und Müttern, die am Wochenende die Sternsinger der St.-Oliver-Gemeinde begleitet haben. Und dabei sind fast schon Managerqualitäten gefragt. Mit seinem Auto chauffiert der 53-Jährige die Heiligen Drei Könige samt Sternträger am Sonnabend zu insgesamt 13 Familien in Laatzen-Mitte und Rethen. Dort verteilen die Geschwister Felix (9) und Julia (8) mit Emma (8) und Muschs 14-jähriger Tochter Rebecca den Segen der Sternsinger.

Erlös ist für Flüchtlinge gedacht
Mit im Gepäck hat Musch unter anderem den Ablaufplan mit den Adressen, Segenssprüche zum Aufkleben, Kreide und Regenschirme. Denn auch das schlechte Wetter kann die Sternsinger nicht von ihrer Mission abhalten. „Ich finde es gut, dass wir anderen Kindern helfen können“, sagt die achtjährige Julia, die ebenso wie ihr Bruder Felix das erste Mal bei der Aktion dabei ist. „Im Libanon haben viele Jungen und Mädchen kein Zuhause mehr und leben unter Planen und Decken.“ Mit dem Erlös der bundesweiten Aktion sollen in diesem Jahr Flüchtlinge im Libanon unterstützt werden. Seit Ausbruch des Kriegs in Syrien hat das Land rund 1,2 Millionen Flüchtlinge aufgenommen, die etwa ein Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Viele von ihnen leben in Zelten.

Foto v.l.n.r.: Helena, Julian, Emily-Chiara, Bischof Heiner, Samuel, Johanna, Carolin

Thomas Musch begleitet die Sternsinger schon zum siebten Mal. „Ich finde es toll, dass sich die Kinder für andere engagieren und halte es für wichtig, sie dabei zu unterstützen“, sagt der 53-Jährige. Das erste Mal ist er mitgegangen, um seine Tochter Rebecca zu begleiten. Seitdem sind Vater und Tochter jedes Jahr dabei. „Die Texte zu lernen ist nicht so schwer“, sagt Rebecca. „Die bleiben fast jedes Jahr gleich.“
Von den Familien, bei denen die Sternsinger ihren Segensspruch 20*C+M+B+20 „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus“ auf die Tür kleben oder schreiben, erhalten die Kinder Süßigkeiten und viel Lob. „Ich freue mich riesig, dass ihr das macht“, sagt der Laatzener Christian Diekmann, der die Gruppe mit seiner Frau Sabine, seinen drei Kindern und zwei Nichten sowie seiner Schwiegermutter und Schwägerin empfängt.

Aber auch tatkräftige Hilfe bekommen die Sänger auf ihrer Tour. Denn plötzlich ist Emmas selbst gebastelte Pappkrone ab. „Sie ist zerrissen“, sagt die Achtjährige entsetzt und fürchtet: „Ohne Krone kann ich den Segensspruch nicht aufkleben.“ Doch Kai Ahrens, bei dessen Familie die Sternsinger als nächstes zu Gast sind, schafft Abhilfe und tackert die Krone kurzum wieder zusammen. Danach bringt Emma, wieder vollständig bekrönt, den Segensspruch an der Haustür der Familie an. „Das bedeutet uns sehr viel“, sagt Nadine Ahrens, die als Kind selber regelmäßig als Sternsinger unterwegs war.

Das ist ein paar Straßen weiter bei Familie Spelge nicht anders. Dort hängen im Flur bereits zahlreiche Segenssprüche aus den Vorjahren. „Es ist toll, dass die Kinder die ganzen Hausbesuche auf sich nehmen“, sagt Andreas Spelge.

Laatzener spenden im letzten Jahr über 9000 Euro
Insgesamt waren von Freitag bis Sonntag rund 40 Sternsinger im Alter von vier bis 14 Jahren in mehreren Gruppen in Laatzen unterwegs. Dabei haben sie rund 200 Familien sowie zahlreiche Einrichtungen und Institutionen wie Feuerwehr und Polizei, das Rathaus, Altersheime und Kitas sowie die Geschäftsstelle der HAZ/NP besucht.

„Im vergangenen Jahr sind in Laatzen mehr als 9000 Euro zusammengekommen“, sagt Stephanie Teiwes, eine von vier ehrenamtlichen Organisatoren der St.-Oliver-Gemeinde. Bundesweit waren es mehr als 50 Millionen Euro.

Quellenangabe: Stephanie Zerm, Laatzen/Sarstedt vom 06.01.2020, Seite 1