Übrigens …

… habe ich seit ein paar Monaten Gesangsunterricht. Im Fokus steht das liturgische Singen. Das Umfasst ziemlich viel und geht weit über das Anstimmen von Liedern aus dem Gotteslob hinaus. Denn es gibt verschiedene Elemente, die in einer Messe oder Andacht gesungen werden können. Ich habe Spaß am Lernen und vor allem freue ich mich auf das Ausprobieren.

Mein Gesangslehrer, selbst in der Liturgie zuhause, schaut nicht nur auf die Töne, sondern auch auf Haltung und Ausstrahlung. Oft bekomme ich die Rückmeldung, dass ich schwungvoller singen soll. Gerade beim Halleluja soll es nicht nur daher gesungen werden, sondern die Menschen mitziehen. Ganz besonders trifft dies auf den Entlassruf in der Osterzeit zu (den wir trotz Fastenzeit üben), ich meine damit das „Gehet hin in Frieden, Halleluja Halleluja“. Wenn es hier lahm oder zu zaghaft wird, funktioniert es nicht. Dieser Ruf braucht Dynamik. Dynamik nimmt mit und transportiert in diesem Fall die Osterfreude.

Was für das Singen gilt, gilt natürlich auch für die Arbeit in der Gemeinde. Hier merke ich in letzter Zeit, dass das mit der Dynamik nicht so einfach ist. Es kostet manchmal viel Kraft dynamisch zu sein. Das Leben ist statischer und träger geworden. Nicht nur bei mir selbst, auch in der Gemeinde nehme ich diese Trägheit wahr. Es werden weniger Ehrenamtliche und die Zahlen der Gottesdienstbesucher gehen zurück. Es ist nicht mehr so leicht und dynamisch ein Gemeindeleben aufrechtzuhalten.

Beim Singen hilft es die richtigen Atempausen zu setzen, um die richtige Dynamik hinzubekommen. Vielleicht braucht es auch in den Gemeinden Orte und Zeiten des Luftholens. Diese Orte und Zeiten gilt es zu entdecken und zu öffnen, damit uns in der Gemeinde nicht die Luft ausgeht.

Christian Gawel

Kaplan