Kath. Pfarrgemeinde
St. Oliver, Laatzen
mit St. Mathilde und St. Josef

Bericht von Stephan Hartung, Leine Nachrichten Laatzen/Sarstedt vom 14.04.2020

 

„Die Sehnsucht der Leute ist groß“

Thomas Berkefeld eröffnet den Gottesdienst mit einem Lied. „Halleluja! Jesus lebt“, singt der Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Oliver. Begleitet wird er in der Kirche nur von Diakon Kirill Buslov und Organist Jens Siebert. Außer dem Trio, einer Gemeindehelferin und dem Mann von der Zeitung ist niemand in dem Gotteshaus. Zwischendurch herrscht Stille. Und das am Ostersonntag – völlig ungewohnt, genauso wie eine Übertragung der Ostermesse über das Internet.

Die Kirchengemeinde ist aus dem von Corona verursachten Versammlungsverbot diesen Weg gegangen. „Gerade bei den Liedern ist das besonders schade. Denn unsere Gemeinde ist sehr sangesfreudig“, sagte Berkefeld nach der Messe, die über einen Link auf der Homepage von St. Oliver auf Youtube zu sehen war. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der Kanal 80 Zuschauer, nach 20 Minuten war mit 180 Besuchern die Höchstzahl erreicht – und weil an jedem Endgerät vermutlich mehrere Leute saßen, ist von einer ordentlichen dreistelligen Anzahl an Gottesdienstbesuchern auszugehen.

Direkte Ansprache in die Kamera
Diese wurden von Berkefeld auch direkt angesprochen. Bei der Oster-Sequenz blickte der Pfarrer direkt in eine von drei im Kirchraum aufgestellten Kameras und sagte: „Das singen wir jetzt im Stehen. Wenn es Ihnen zu Hause möglich ist, dann stehen Sie auf.“ Eine direkte Ansprache, die für den Pfarrer eine Umstellung ist – auch wenn es am Ostersonntag zum insgesamt vierten Mal seit Corona-Ausbruch einen Livegottesdienst gab. „Sonst blickt man mehr zu den Leuten in der Kirche. Nun habe ich mehr die Kamera gesucht.“

Nur rund 30 Sekunden beträgt die Verzögerung, bis das reale Geschehen aus der Kirche im Internet zu sehen ist – die Gemeindemitglieder können also ganz nah dabei sein. „Mir kommt es auch gar nicht auf die Zahlen an. Ich kenne Rückmeldungen, wie groß die Sehnsucht der Leute ist, den Gottesdienst zu erleben“, sagt Berkefeld und berichtet auch von Gemeindemitgliedern, die sich noch im Ausland befinden und auf ihren Rückflug warten. Wie berichtet, stand der Streaminggottesdienst auf der Kippe. Zunächst hatte das Bistum Hildesheim das Vorhaben untersagt, in der vergangenen Woche gab es jedoch grünes Licht durch den Generalvikar.

Ein weiterer Programmhinweis
Sozusagen die Regie für die Übertragung hat Andreas Müller inne, er überwacht die Technik im benachbarten Pfarrhaus. Zur Mitte des Gottesdienstes kommt Müller in die Kirche, überprüft die Kameras und stellt den Zoom neu ein. Somit war der Pfarrer immer bestens im Bild. Und zum Abschluss der Messe, nach einer Express-Kommunion mit nur zwei statt 300 Personen, sprach Berkefeld noch einen Programmhinweis in die Kamera: „Wenn Sie wollen, können Sie gleich umschalten. Aus Rom gibt es jetzt die Ostergrüße vom Papst – aber erst bekommen Sie von mir noch den Segen.